„Cette solidarité désormais toute naturelle [entre la France et l’Allemagne] il nous faut, certes, l’organiser. C’est là la tâche des gouvernements. Mais il nous faut aussi la faire vivre et ce doit être avant tout l’œuvre de la jeunesse.“
Als Charles de Gaulle diese Sätze vor über vierzig Jahren in Ludwigsburg an die deutsche Jugend richtete, ahnte er sicherlich, dass das Voranschreiten der europäischen Integration und das Zusammenfinden der Jugend immer wieder gehemmt werden würde. Insbesondere nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes wirft das Aufleben nationalistischer Tendenzen in Ost- und Westeuropa die europäische Integration immer wieder zurück. Allerdings ist unter dem politischen Dach der Europäischen Union dank intensiver deutsch-französischer Kooperation bereits eine politische Bürgerschaft entstanden, deren Identifikation mit Europa trotz des Beharrungsvermögens des Nationalstaates weit fortgeschritten ist. Dieser Prozess bedarf weiterer Unterstützung. Auch die wirtschaftliche Globalisierung, deren Schwester die Regionalisierung ist, fördert den wirtschaftlichen, beruflichen und gesellschaftlichen Austausch und schafft damit eine neue Form des Zusammenlebens, eine nicht nur im nationalen, sondern auch im regionalen und globalen Raum verankerte Kultur. So wird das Verstehen des anderen, das Fremdverstehen und damit eine interkulturelle Aufgeschlossenheit immer wichtiger.
Somit wird klar, dass die Bewältigung der Zukunftsaufgaben nicht durch gelangweilten Konsum oder durch nationalkulturelle Arroganz zu erreichen ist, sondern nur durch Arbeit, Arbeit an sich und seiner Kompetenz des Verstehens der Welt und ihrer Sprachen: bilinguale Bildung trägt dazu bei, sich einer anderen Kultur zu öffnen und im Kontrast die eigene besser zu verstehen.
Bilinguale Bildung als Befähigung sich über eigene Erfahrungen, Sachverhalte der zielsprachlichen Kultur und Gesellschaft sowie über kultur- und gesellschaftsvergleichende Phänomene angemessen austauschen zu können, setzt die Lerner/innen (gleich welchen Alters) in die Lage durch eine bi- oder multikulturelle Kompetenz, eine angemessene Antwort auf die Anforderungen der Zukunft zu geben. Die angestrebte sprachliche und kulturelle Mittlerfunktion erfordert allerdings die Gleichberechtigung der Fächer im bilingualen Bildungsgang: sprachliche Bildung ohne wissenschaftlich abgesichertes Sachfachwissen bleibt substanzlos und damit wirkungslos, weil moderne Berufe mehrdimensionale Anforderungsprofile haben. Somit wird klar, dass die Vorbereitung auf die Anforderungen der modernen (Arbeits)Welt sich auch auf mehrsprachige Kompetenz und Fremdverstehen stützen muss.
Bilingualer Unterricht fördert nachhaltig interkulturelles und somit vernetztes Denken und ermöglicht das Verarbeiten von (pluralen) Wirklichkeiten der Moderne, weil Perspektivwechsel neue komplementäre Sichtweisen nötig machen.
Hannelore Böse-Rodenhäuser / Michael Schroth
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